Zum Inhalt springen
Curent Consulting · Leitfäden

Steuern legal senken – Leitfaden für Rumänen

von Ramon Curelusa · Geprüft am 25. August 2026

Kurz gefasst

In Deutschland gibt der Staat einen Teil des Geldes zurück, das du für deine Rente zurücklegst. Am stärksten wirkt die Basisrente: 2026 sind bis zu 30.826 € jährlich absetzbar (das Doppelte für Paare), und seit 2023 zu 100 % (§ 10 Abs. 3 EStG). Je höher deine Steuer, desto größer der Vorteil – dafür ist das Geld bis zum Rentenbeginn gebunden. Für gut verdienende Menschen, die in Deutschland bleiben, ist es der stärkste legale Hebel.

Warum das gerade für Rumänen zählt

Die Zahlen sind bekannt: Viele Rumänen in Deutschland arbeiten in gut bezahlten Bereichen – Ingenieurwesen, IT, Medizin, spezialisierte Handwerksberufe – und zahlen Steuern wie alle anderen. Was oft fehlt, ist nicht das Einkommen, sondern das Wissen darüber, was absetzbar ist.

Ein Ingenieur mit 75.000 € brutto zahlt mehrere tausend Euro Steuern. Ein Teil davon kann in seine eigene Rente fließen statt an den Staat. Nicht durch Tricks, sondern über Mechanismen, die im Gesetz stehen und von Millionen Menschen genutzt werden.

Die drei Schichten der Altersvorsorge

Das deutsche System hat drei Ebenen mit unterschiedlichen Steuerregeln.

Schicht 1: gesetzliche Rente und Basisrente

Hier ist der Steuervorteil am größten.

Die Basisrente (auch Rürup-Rente) funktioniert einfach: Du zahlst in einen Rentenvertrag ein, der Beitrag mindert dein zu versteuerndes Einkommen. Seit 2023 wird er vollständig abgezogen, bis zum Jahreshöchstbetrag.

Höchstbetrag 2026: 30.826 € für Einzelpersonen, 61.652 € bei Zusammenveranlagung (Stand: 01.01.2026). Davon geht dein Pflichtbeitrag zur gesetzlichen Rentenversicherung ab – der verbleibende Spielraum ist also kleiner, als die Zahl zunächst vermuten lässt.

In Zahlen: Liegt dein Einkommen im 42-Prozent-Bereich, bringen 1.000 € Beitrag rund 420 € über die Steuererklärung zurück. Praktisch finanziert der Staat fast die Hälfte deiner eigenen Rente.

Was man vorher wissen muss: Das Geld ist bis zum Rentenbeginn gebunden. Keine Auszahlung, kein Zugriff im Notfall, keine freie Vererbung (für Ehepartner und Kinder gibt es begrenzte Optionen). Ausgezahlt wird als lebenslange Monatsrente.

Schicht 2: betriebliche Altersvorsorge

Ein Teil des Bruttolohns fließt direkt in den Vorsorgevertrag. Darauf fallen im gesetzlichen Rahmen weder Steuern noch Sozialabgaben an (§ 3 Nr. 63 EStG).

Zusätzlich muss der Arbeitgeber mindestens 15 % seiner dadurch ersparten Sozialabgaben zuschießen. Viele Unternehmen geben mehr – danach zu fragen lohnt sich, denn es ist das, was im System einem geschenkten Zuschuss am nächsten kommt.

Der Nachteil: In der Rentenphase wird die Auszahlung voll versteuert und fließt in die Beitragsberechnung der Krankenversicherung ein.

Schicht 3: private Vorsorge

Kein Steuervorteil bei der Einzahlung, dafür flexibel: Du kommst an das Geld, kannst pausieren oder wechseln. Wer nicht sicher ist, ob er in Deutschland bleibt, oder eine Reserve braucht, ist hier oft besser aufgehoben als in Schicht 1 – auch wenn dabei „keine Steuer gespart“ wird.

Was in Deutschland anders ist als in Rumänien

Der Staat unterstützt, kommt aber nicht auf dich zu. Abzüge wirken nicht automatisch. Sie müssen erklärt werden. Wer keine Steuererklärung abgibt, verzichtet still auf sein Geld.

Es gibt keine „Modelle“. Es gibt Gesetze. Was hier beschrieben ist, steht im Einkommensteuergesetz, mit Paragrafen zum Nachlesen. Niemand hat einen besonderen Zugang, niemand kann etwas „regeln“.

Ein Berater macht deine Erklärung nicht. In Deutschland dürfen nur Steuerberater und Lohnsteuerhilfevereine Steuererklärungen für andere erstellen. Wer etwas anderes verspricht, verstößt gegen das Gesetz – und das sagt schon genug über ihn.

In Rumänien gibt es kaum persönliche Abzüge und einen einheitlichen Steuersatz. Der Gedanke „ich kann beeinflussen, wie viel Steuer ich zahle“ wirkt deshalb anfangs fremd. In Deutschland ist er Normalität – und genau deshalb zahlt, wer ihn nicht nutzt, mehr als der Kollege am Nebentisch.

Die übrigen Hebel, kurz gefasst

Werbungskosten (§ 9 EStG): Arbeitsweg, Arbeitsmittel, berufsbezogene Deutschkurse, Umzug wegen der Arbeit, Fachliteratur. Es gibt einen automatischen Pauschbetrag – wer ihn mit tatsächlichen Kosten übersteigt, setzt mehr ab.

Doppelte Haushaltsführung: Ist die Familie in Rumänien geblieben und besteht hier eine Zweitwohnung aus beruflichen Gründen, sind Miete, Heimfahrten und ein Teil der Kosten absetzbar. Die Regeln sind streng – entscheidend ist, wo der Lebensmittelpunkt liegt.

Die passende Steuerklasse: senkt nicht die Jahressteuer, lässt aber monatlich mehr übrig. Details im Leitfaden zu den Steuerklassen.

Kinderfreibetrag oder Kindergeld: Das Finanzamt prüft automatisch, was günstiger ist. Bei höheren Einkommen kann der Freibetrag das Kindergeld übersteigen – siehe Leitfaden zum Kindergeld.

Vermögenswirksame Leistungen: Viele Arbeitgeber zahlen monatlich einen Zuschuss zum Sparen, wenn der Mitarbeiter danach fragt. Geld, das sonst schlicht liegen bleibt.

Häufige Fehler

1. Keine Steuererklärung abgeben. Für viele Angestellte ist sie nicht Pflicht – wer sie nicht abgibt, verzichtet aber auf die Erstattung. Frist für das Vorjahr ohne Berater: 31. Juli.

2. Basisrente bei kleinem Einkommen abschließen. Bei niedriger Steuer ist der Vorteil gering – das Geld aber jahrzehntelang gebunden. Dann ist eine flexible Lösung fast immer besser.

3. Die betriebliche Altersvorsorge ignorieren. Der Arbeitgeberzuschuss ist die einzige Stelle im System, an der es zusätzliches Geld allein fürs Nachfragen gibt.

4. Im Dezember unterschreiben, ohne auf die Kosten zu sehen. Die Frist zum 31. Dezember ist real, Eile aber ein schlechter Ratgeber. Ein teurer Vertrag bleibt lebenslang teuer, egal wie viel Steuer er in einem Jahr gespart hat.

5. Steuerersparnis mit Rendite verwechseln. 42 % zurück bedeutet nur, dass die Einzahlung günstig war. Was am Ende herauskommt, hängt vom Vertrag, den Kosten und dem Markt ab.

Eine Beispielrechnung

Ein Ingenieur, 42 Jahre, 78.000 € brutto im Jahr, verheiratet, ein Kind.

Er zahlt 500 € monatlich in eine Basisrente, also 6.000 € im Jahr.

Der Staat trägt damit etwa 40 % seiner eigenen Rente. Über zwanzig Jahre summiert sich allein die Steuerersparnis auf rund 50.000 €.

Der genaue Betrag hängt von Einkommen, Familienstand und den übrigen Abzügen ab. Für deinen konkreten Fall: Familienkasse, Lohnsteuerhilfeverein oder Steuerberater. Ich erkläre dir, welches Produkt zu deinem Plan passt und was es wirklich kostet.

Die Frage, die vor allen anderen kommt

Vor jedem Vertrag: Bleibst du in Deutschland oder gehst du zurück?

Wer in einigen Jahren zurückkehrt, hat andere Prioritäten als jemand, der hier sein Leben aufbaut. Die Basisrente bindet das Geld bis zum Rentenbeginn – sinnvoll im ersten Fall, problematisch im zweiten.

Ein Berater, der diese Frage nicht am Anfang stellt, verkauft ein Produkt, keine Lösung. In der Analiza Curent ist es die erste Frage – 30 Minuten, kostenlos.

Häufige Fragen

Wie viel ist über die Basisrente 2026 absetzbar?

Bis zu 30.826 € im Jahr als Einzelperson, das Doppelte bei Zusammenveranlagung. Seit 2023 sind die Beiträge zu 100 % abziehbar (§ 10 Abs. 3 EStG). Vom Höchstbetrag geht allerdings dein Pflichtbeitrag zur gesetzlichen Rente ab.

Wer profitiert am meisten?

Wer am meisten Steuern zahlt. Bei einem Einkommen im 42-Prozent-Bereich bringen 1.000 € Beitrag rund 420 € zurück. Bei kleinem Einkommen ist der Vorteil deutlich geringer – dann passen andere Lösungen besser.

Wo ist der Haken bei der Basisrente?

Das Geld ist bis zum Rentenbeginn gebunden. Keine Auszahlung, keine freie Vererbung, kein Zugriff im Notfall. Es gibt eine lebenslange Monatsrente. Wer in einigen Jahren nach Rumänien zurückgeht, sollte gut überlegen.

Was ist die betriebliche Altersvorsorge?

Ein Teil des Bruttolohns fließt direkt in den Vorsorgevertrag – ohne Steuer und ohne Sozialabgaben im gesetzlichen Rahmen. Der Arbeitgeber muss mindestens 15 % seiner ersparten Sozialabgaben zuschießen.

Was ist absetzbar bei häufigen Fahrten nach Rumänien?

Der Arbeitsweg, Deutschkurse mit Berufsbezug, ein Umzug wegen der Arbeit, Arbeitsmittel. Ist die Familie in Rumänien geblieben und besteht hier eine Zweitwohnung, kommt die doppelte Haushaltsführung in Betracht – die Regeln sind allerdings streng.

Bis wann zählen Verträge für das laufende Jahr?

Bis zum 31. Dezember. Im Jahr gezahlte Beiträge werden im selben Jahr geltend gemacht. Ein im Dezember geschlossener Vertrag kann die Steuer des ganzen Jahres senken.

Brauche ich einen Steuerberater?

Für die Erklärung selbst nicht zwingend – viele erledigen sie über ELSTER oder einen Lohnsteuerhilfeverein. Bei komplexen Fällen – eigene Firma, Einkünfte in zwei Ländern, Immobilien – ja.

Quellen

  1. § 10 Abs. 3 EStG – Abzug der Altersvorsorgeaufwendungen (Gesetzestext) · geprüft 25. August 2026
  2. § 32a EStG – Einkommensteuertarif und Grundfreibetrag · geprüft 25. August 2026
  3. § 3 Nr. 63 EStG – Steuerfreiheit der Beiträge zur betrieblichen Altersversorgung · geprüft 25. August 2026
  4. § 9 EStG – Werbungskosten (Gesetzestext) · geprüft 25. August 2026

Geprüft am: 25. August 2026

Informationen zu Steuern, Kindergeld und anderen Leistungen sind allgemein. Wir bieten keine Steuerberatung und stellen keine Anträge in deinem Namen. Für deinen Fall: Familienkasse, Lohnsteuerhilfeverein oder Steuerberater. Anträge bei Behörden sind immer kostenlos.