Rente in Deutschland – Leitfaden für Rumänen
Kurz gefasst
Anspruch auf deutsche Rente besteht nach fünf Beitragsjahren (§ 50 SGB VI) – und Arbeitsjahre in Rumänien zählen mit, um diese Schwelle zu erreichen. Gemessen wird in Punkten: Ein Jahr mit dem deutschen Durchschnittsentgelt bringt einen Punkt, ein Punkt ist seit 1. Juli 2026 42,52 € monatlich wert. Wer in beiden Ländern gearbeitet hat, bekommt zwei getrennte Renten – je vom Staat, bei dem eingezahlt wurde.
Die Fünf-Jahres-Regel
Für eine deutsche Rente brauchst du 60 Beitragsmonate – fünf Jahre. Das ist die gesetzliche Mindestzeit, die allgemeine Wartezeit.
Die gute Nachricht für alle, die auch zu Hause gearbeitet haben: Über die europäische Verordnung 883/2004 zählen in Rumänien zurückgelegte Zeiten für das Erreichen dieser Schwelle mit. Drei Jahre in Deutschland und acht in Rumänien? Die Bedingung ist erfüllt.
Was nicht passiert: Die rumänischen Jahre erhöhen die deutsche Rente nicht. Jeder Staat zahlt nur für die bei ihm zurückgelegte Zeit. Das Ergebnis sind zwei getrennte Renten, die sich auf deinem Konto addieren.
Wie die deutsche Rente berechnet wird
Das System ist einfacher, als es wirkt. Drei Größen:
1. Rentenpunkte (Entgeltpunkte). Ein Jahr mit genau dem deutschen Durchschnittsentgelt bringt einen Punkt. 2026 liegt dieses bei 51.944 € brutto im Jahr, also rund 4.329 € im Monat. Halbes Durchschnittsentgelt bedeutet einen halben Punkt; doppeltes bringt zwei Punkte – höchstens jedoch 1,95 Punkte pro Jahr (Beitragsbemessungsgrenze).
2. Der Wert eines Punktes. Seit 1. Juli 2026: 42,52 € monatlich (Stand: 01.07.2026). Der Wert wird jährlich angepasst, in der Regel nach oben.
3. Die Formel. Gesammelte Punkte × Punktwert = monatliche Bruttorente.
Ein konkretes Beispiel
Ein Bauarbeiter verdient 3.200 € brutto im Monat, also 38.400 € im Jahr. Bei einem Durchschnittsentgelt von 51.944 € ergibt das:
38.400 ÷ 51.944 = 0,74 Punkte pro Jahr
Nach 20 Jahren in Deutschland: 0,74 × 20 = 14,8 Punkte
Monatliche Bruttorente: 14,8 × 42,52 € = 629 €
Dazu kommt die rumänische Rente für die dort zurückgelegten Jahre. Von der deutschen Summe gehen noch Krankenversicherung und gegebenenfalls Steuer ab.
Die Zahl ist nicht groß – und genau das ist die wichtige Information. Die gesetzliche Rente deckt die Grundlage, nicht den gewohnten Lebensstandard.
Was in Deutschland anders ist als in Rumänien
Dein Anspruch ist erfasst, nicht von jemandes Wohlwollen abhängig. Jeder eingezahlte Euro steht in deinem Konto bei der Deutschen Rentenversicherung. Einen Auszug kannst du jederzeit anfordern. Es gibt keine „Listen“, die verloren gehen, und keine Ermessensentscheidungen.
Punkte verfallen nicht beim Weggang. Drei Jahre eingezahlt und zurück nach Rumänien? Die Punkte bleiben. Wer anderswo in der EU weiter einzahlt und insgesamt fünf Jahre erreicht, bekommt von Deutschland die deutschen Jahre ausgezahlt – unabhängig vom Wohnort.
Die Rente wird auch außerhalb Deutschlands gezahlt. Nach Rumänien direkt aufs dortige Konto. Einzige Pflicht: die Adressänderung melden.
Auch für Kinder gibt es Punkte. Für jedes nach 1992 geborene Kind werden bis zu drei Erziehungsjahre mit dem Durchschnittsentgelt bewertet – rund drei Punkte, also über 120 € monatliche Rente je Kind. Viele wissen das nicht und beantragen die Zeiten nie.
Was anders ist als in Rumänien: Jenseits von Säule II und den wiederkehrenden politischen Debatten beruht das deutsche System auf individuellen, nachvollziehbaren Punkten, die nicht „verstaatlicht“ werden können – sie sind ein erworbenes, verfassungsrechtlich geschütztes Recht. Das mitgebrachte Misstrauen ist verständlich, der Mechanismus aber ein anderer.
Was konkret zu tun ist, nach Nutzen sortiert
1. Kontenklärung beantragen. Kostenlos bei der Deutschen Rentenversicherung. Du bekommst die Liste aller gespeicherten Zeiten und siehst, was fehlt. Früh erledigen: Nach zwanzig Jahren sind Bescheinigungen alter Arbeitgeber kaum noch aufzutreiben.
2. Rumänische Zeiten angeben. Wer dort gearbeitet hat, sollte das im Antrag nennen. Die Träger tauschen sich aus, aber erst, wenn die Zeiten gemeldet sind.
3. Kindererziehungszeiten beantragen. Sie werden nicht in allen Fällen automatisch vergeben. Bei nach 1992 geborenen Kindern prüfen, ob die Zeiten erfasst sind.
4. Die jährliche Renteninformation lesen. Sie geht an alle mit mehr als fünf Beitragsjahren. Darin steht eine wichtige Zahl: die voraussichtliche Rente. Vergleiche sie mit deinen heutigen Ausgaben.
Häufige Fehler
1. Annehmen, die rumänischen Jahre zählen nicht. Für die Mindestwartezeit zählen sie. Viele verzichten nach drei, vier Jahren Arbeit hier auf den Antrag, obwohl der Anspruch zusammen mit den rumänischen Jahren besteht.
2. Nie eine Kontenklärung beantragen. Fehlende Zeiten sind nach Jahrzehnten schwer zu rekonstruieren. Der Antrag ist kostenlos und in einer Viertelstunde gestellt.
3. Den Umzug nicht melden. Die Rente wird ins Ausland gezahlt – aber nur, wenn der Träger weiß, wohin.
4. Die gesetzliche Rente für ausreichend halten. Das Beispiel oben zeigt rund 629 € brutto nach zwanzig Jahren ehrlicher Arbeit. Wer allein davon lebt, lebt bescheiden.
5. Kindererziehungszeiten nicht beantragen. Drei Punkte je Kind bedeuten über 120 € monatlich, lebenslang.
Was mit der Lücke geschieht
Wenn die gesetzliche Rente die Grundlage deckt, bleibt der Rest zu bauen. In Deutschland gibt es drei Ebenen, wobei die zweite und dritte echte Steuervorteile mitbringen:
- Ebene 1 – gesetzliche Rente und Basisrente (Rürup), bei der die Beiträge steuerlich absetzbar sind
- Ebene 2 – Betriebsrente (bAV), gezahlt aus dem Bruttolohn
- Ebene 3 – private Vorsorge, flexibel, ohne Steuervorteil bei der Einzahlung
Welche Kombination passt, hängt von Einkommen, Familienstand und davon ab, ob du hierbleibst oder zurückgehst. Eine für alle gültige Antwort gibt es nicht – und wer etwas anderes behauptet, verkauft ein Produkt, keine Lösung.
Wie viel Steuer du tatsächlich sparst, hängt von deiner persönlichen Situation ab. Für deinen konkreten Fall: Familienkasse, Lohnsteuerhilfeverein oder Steuerberater. Ich erkläre dir den Versicherungs- und Planungsteil.
Für Menschen aus der Republik Moldau
Die europäische Verordnung 883/2004 gilt für EU- und EWR-Staaten. Die Republik Moldau gehört nicht dazu, dortige Zeiten werden über diese Verordnung also nicht automatisch zusammengerechnet.
Es besteht jedoch ein bilaterales Sozialversicherungsabkommen zwischen Deutschland und der Republik Moldau, das solche Fälle gesondert regelt. Wer Beitragszeiten in Moldau hat, sollte die Deutsche Rentenversicherung ausdrücklich um Prüfung des Abkommens bitten – von selbst geschieht das nicht.
Mit rumänischer Staatsangehörigkeit und Beitragszeiten in Rumänien gelten die gewöhnlichen europäischen Regeln.
Wie es weitergeht
Wenn du schwarz auf weiß sehen willst, welche Rente dich erwartet und was es konkret hieße, die Lücke zu schließen: Dafür ist die Analiza Curent gedacht – 30 Minuten, kostenlos. Du gehst mit deinen Zahlen auf einer Seite.
Siehe auch: Steuerklasse – der Steuervorteil privater Vorsorge hängt direkt davon ab, wie viel Steuer du zahlst. Und Kindergeld, falls du Kinder hast: Dieselben Erziehungszeiten, die das Kindergeld auslösen, bringen auch Rentenpunkte.
Häufige Fragen
Wie viele Jahre muss ich in Deutschland arbeiten für einen Rentenanspruch?
Fünf Beitragsjahre (60 Monate). Das ist die gesetzliche Mindestzeit (§ 50 SGB VI). Arbeitsjahre in Rumänien zählen für das Erreichen dieser Schwelle mit – über die europäische Verordnung 883/2004.
Was ist ein Rentenpunkt wert?
42,52 € monatlich seit dem 1. Juli 2026 (Rentenwertbestimmungsverordnung 2026). Einen Punkt gibt es für ein Jahr, in dem genau das deutsche Durchschnittsentgelt verdient wurde.
Wie viel muss ich für einen ganzen Punkt verdienen?
Das deutsche Durchschnittsentgelt, 2026 sind das 51.944 € brutto im Jahr (rund 4.329 € monatlich). Wer die Hälfte verdient, bekommt einen halben Punkt.
Werden rumänische und deutsche Jahre zusammengerechnet?
Ja, für die Mindestwartezeit. Gezahlt wird aber getrennt: Deutschland für die deutschen Jahre, Rumänien für die rumänischen. Du bekommst zwei Renten, nicht eine.
Gibt es Punkte für Kinder?
Ja. Für nach 1992 geborene Kinder werden bis zu drei Erziehungsjahre je Kind angerechnet, bewertet mit dem Durchschnittsentgelt – rund drei Punkte pro Kind, für den erziehenden Elternteil.
Was passiert mit der Rente bei Rückkehr nach Rumänien?
Sie geht nicht verloren. Die deutsche Rente wird auch nach Rumänien gezahlt, auf dein dortiges Konto. Erforderlich ist nur die Adressmeldung an die Deutsche Rentenversicherung.
Wird es die gesetzliche Rente noch geben?
Das System ist umlagefinanziert: Wer heute arbeitet, zahlt die heutigen Renten. Das Niveau wird im Verhältnis zu den Löhnen voraussichtlich sinken, der erworbene Anspruch aus deinen Punkten bleibt. Deshalb sollte die gesetzliche Rente nur ein Teil der Planung sein.
Wie prüfe ich mein Rentenkonto?
Mit dem Antrag auf Kontenklärung bei der Deutschen Rentenversicherung. Er ist kostenlos und zeigt alle gespeicherten Zeiten. Früh stellen, solange Nachweise noch auffindbar sind.
Quellen
- § 50 SGB VI – Wartezeiten (Gesetzestext) · geprüft 25. August 2026
- § 1 Rentenwertbestimmungsverordnung 2026 – aktueller Rentenwert · geprüft 25. August 2026
- § 70 SGB VI – Ermittlung der Entgeltpunkte (Gesetzestext) · geprüft 25. August 2026
- Verordnung (EG) Nr. 883/2004 zur Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit · geprüft 25. August 2026
Geprüft am: 25. August 2026
Dieser Artikel bietet allgemeine, zum angegebenen Datum geprüfte Informationen und ersetzt keine individuelle Beratung. Curent Consulting ist unabhängiger Versicherungsmakler (§ 34d Abs. 1 GewO), eingetragen im Vermittlerregister unter D-RBPU-BHSW0-68.